Was ist Schlafapnoe?
Viele Menschen in Deutschland sind von einem Schlafapnoesyndrom (SAS) betroffen und somit chronisch krank. Das Schlafapnoesyndrom bildet sich meist nicht mehr spontan zurück, sondern begleitet den Patienten quasi ein Leben lang. Mittlerweile ist unbestreitbar, dass das Schlafapnoesyndrom eine ernste Erkrankung darstellt. Neben den quälenden Beschwerden sind es vor allem Erkrankungen im Herz-Kreislaufsystem, die den Patienten als Folge der Schlafapnoe gefährden. Ferner besteht eine beträchtliche Unfallgefährdung aufgrund der großen Müdigkeit. Das Schlafapnoesyndrom ist also keine Modekrankheit!

Das Wort „Apnoe" bedeutet Atemstillstand. Schlafapnoe ist ein Atemstillstand während des Schlafs und gehört zur Krankheitsgruppe schlafbezogener Atmungsstörungen (SBAS). Von einer Apnoe spricht man, wenn es beim Betroffenen mindestens 10 Mal pro Stunde für mindestens 10 Sekunden zu Atemaussetzern kommt. Diese Atemaussetzer können dabei bis zu mehrere 100 Mal pro Nacht auftreten und in einzelnen Fällen länger als eine Minute andauern und so ernsthafte Gesundheitsschäden hervorrufen.

Normale Atmung: Atemwege passierbar
Atmung bei SAS: Atemwege schlecht oder gar nicht passierbar
Die unerkannte Gefahr
Rund 10 bis 12% aller Deutschen sind laut der DGSM (Deutsche Gesellschaft für Schlafmedizin) von behandlungsbedürftigen Schlafstörungen betroffen. Obwohl Schlafapnoe heute eine anerkannte Krankheit ist, wird sie dennoch nicht von allen Medizinern sofort erkannt. Experten schätzen, dass nur 5% der Betroffenen diagnostiziert und in der für sie notwendigen Behandlung sind.

3 Formen der Schlafapnoe

Man unterscheidet bei den schlafbezogenen Atmungsstörungen (SBAS) grundsätzlich zwischen zwei Formen der Schlafapnoe: die obstruktive und die zentrale Schlafapnoe. Es können jedoch auch Mischformen auftreten.

Obstruktive Schlafapnoe

Bei der obstruktiven Schlafapnoe (OSA) werden die Atemstillstände durch Obstruktionen (Verschluss der Atemwege) verursacht. Während des Schlafes erschlafft die Muskulatur des Körpers. So kann es in Teilen der oberen Atemwege zum kompletten Verschluss kommen. Durch diese Atemstörung wird der Körper nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Zusätzlich sinken der Puls und der Blutdruck und das Atemzentrum im Gehirn schlägt Alarm und löst eine Weckreaktion aus. Die Betroffenen wachen kurz auf, meist ohne es zu merken. Dadurch wird der Schlafrhythmus unterbrochen, das Herz beginnt schneller zu schlagen und der Blutdruck steigt. Diese kurze Weckreaktion wird auch „Arousal" genannt.
Wer hat Schlafapnoe?
Bei einer gemischten Apnoe leidet der Patient sowohl an obstruktiver als auch an zentraler Apnoe.
in Deutschland sind etwa 8 bis 10% der Bevölkerung von Schlafapnoe betroffen
Menschen, die unter Schlafapnoe leiden, kommen aus allen sozialen Schichten. Gehören Sie möglicherweise zu einer Risikogruppe?
Zentrale Schlafapnoe

Die zentrale Schlafapnoe beruht auf einer Störung des Atemzentrums im Gehirn während des Schlafes. Hierbei kommt es zu einem plötzlichen Stillstand von Zwerchfell und Atemmuskulatur. Wegen des fehlenden Atemantriebs wird auch hier der Körper mit zu wenig Sauerstoff versorgt und befreit sich durch eine Weckreaktion.
Gemischte und komplexe Schlafapnoe

Ursachen
OSA kann jeden treffen. Die Ursachen sind vielfältig und oft nicht eindeutig auszumachen, da sie häufig in Kombination miteinander auftreten.

• Schlaf- und Beruhigungsmittel
• Erschlaffung der Rachenmuskulatur
• Übergewicht
• Alkoholkonsum
• Nasenscheidewandverkrümmung
• Nasenpolypen
• Angeborene Fehlbildungen und Fehlstellungen des Unterkiefers
• Stress und Überlastung
• Mangelnde Schlafhygiene (z.B. zu laut, zu kalt/heiß, nicht passendes Bett usw.)
Symptome

Symptome der Schlafapnoe können sich schleichend in unseren Alltag einfügen. Sie werden jedoch selten mit schlechtem Schlaf in Verbindung gebracht. Die Lebensqualität der Betroffenen wird durch dessen Auswirkungen allerdings häufig stark negativ beeinflusst.

• Nervosität und Gereiztheit
• Verminderte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit
• Konzentrationsschwierigkeiten
• Schwindelattacken
• Kopfschmerzen am Morgen
• Angstzustände
• Ein- und Durchschlafstörungen
• Vergesslichkeit
• Erektions- und Potenzstörungen
• Lautes Schnarchen
• Atemstillstände
• Nächtliches Schwitzen und Wasserlassen
• Sekundenschlaf
• Extreme Tagesmüdigkeit, Schläfrigkeit, Einschlafneigung
Symptome bei Nacht
Symptome am Tag
Lautes, anhaltendes Schnarchen
Beobachtete Atemaussetzer
Erstickungsanfälle oder Schnappatmung im Schlaf
Unruhiger Schlaf
Häufiger Harndrand
Kopfschmerzen am Morgen
Übermäßige Müdigkeit
Konzentrationsschwäche
Depression oder Reizbarkeit
Neigung, bei Routinetätigkeiten einzuschlafen
Folgeerscheinungen
Die Weckreaktionen bleiben für den Betroffenen meist unbemerkt. Sie stören aber den natürlichen Schlafverlauf: Der Betroffene erreicht kaum die Tiefschlafphasen, die er braucht, um sich ausreichend zu erholen. Hierunter leidet die Lebensqualität beträchtlich. Darüber hinaus steigt das Unfallrisiko im Haushalt, am Arbeitsplatz und beim Autofahren deutlich.

• Verminderte Lebensqualität und -erwartung
• Diabetes
• Herzinsuffizienz
• Plötzlicher Herztod
• Herzinfarkt
• Schlaganfall
• Luftnot, Herzrhytmusstörungen
• Depressionen
• Migräne
• Impotenz
• Bluthochdruck
Diagnostik der Schlafapnoe

Werden Schlafbeschwerden erkannt, sollten Betroffene zuerst mit ihrem Hausarzt sprechen. Er kann feststellen, ob die Beschwerden den Symptomen einer schlafbedingten Atmungsstörung entsprechen. Ist das der Fall, überweist der Hausarzt den Betroffenen an einen Schlafmediziner. Schlafmediziner können u. a. Lungenfachärzte, Internisten oder HNO-Ärzte sein. Die Diagnostik durch den Schlafmediziner wird in mehreren Stufen vorgenommen. Üblicherweise wird zuerst eine Voruntersuchung, die Polygrafie, durchgeführt, bei der Betroffene ein kleines Diagnosegerät zur Voruntersuchung mit nach Hause nehmen und damit eine Nacht schlafen. Das Diagnosegerät misst während des Schlafs u. a. Atmung, Herzfrequenz, Schnarchgeräusche und die Sauerstoffsättigung. Außerdem zeichnet es auf, welche Schlafposition zu welchem Zeitpunkt eingenommen wurde und ob es zu Atemaussetzern gekommen ist. Deutet der Befund auf Schlafapnoe hin, wird der Patient in ein Schlaflabor überwiesen. Im Schlaflabor wird eine eingehende Schlafuntersuchung vorgenommen. Diese sogenannte Polysomnografie erlaubt eine endgültige Diagnose. Bei der Entlassung werden sie über Therapiemöglichkeiten der Schlafapnoe aufgeklärt.
Weitere Details zum Ablauf einer typischen Schlafmedizinischen Untersuchung finden Sie auf unserer Themenseite „Alles rund ums Schlaflabor"